Frankenschanze

In etlichen alten Landkarten findet sich die Frankenschanze. So z. B. im Topographischen Atlas des Königreiches Württemberg in 55 Blättern; 1821 – 1851; in der Urhöhenflurkarte von 1899 oder im Messtischblatt Schwaigern von 1902.

Topographischer Atlas 1844 
1844 Topographischer Atlas des Königreichs Württemberg

 

Messtischblatt 1902 
1902 Messtischblatt Schwaigern 

 

Flurkarte 1899 
Christoph Morrissey und Dieter Müller auf Seite 40

 

Skizze Schliz 1909 
Skizze Schliz bearbeitet (In: Urgeschichte Württembergs.1909. S.114)

Ausführliche schriftliche Beschreibungen finden sich erstmalig bei Alfred Schliz ab 1899.

1909 konkretisiert er seine These in der „Urgeschichte Württembergs“

Alfred Schliz weist auf die ältere Hallstattzeit hin, als die Gruppe der „Eisenlangschwerter“ aus dem Osten kommend sich auch bei uns niederließen. Die einheimischen Stämme begannen daraufhin ihre Viehherden vor Überfällen und Raub zu schützen. Dafür legten sie Ringwälle und Abschnittswälle an.

Im Unterland sollen die Einheimischen Erdwälle hinter ausgehobenen Gräben erschaffen haben.

Quelle: Alfred Schliz: Urgeschichte Württembergs. Eine kurzgefasste Darstellung von Hofrat Dr. A. Schliz. Mit einer erdgeschichtlichen Einleitung von Professor Dr. E. Fraas. Stuttgart 1909.

Für die These könnte sprechen, dass sowohl im Lützelfeld als auch im Eichbott / Röthe keltische Siedlungen standen. Weiter fand Mattes Flechtzäune auch auf dem alten Weg zur Frankenschanze, ein weiterer Hinweis für Viehtrieb.


1952 versuchte dann Wilhelm Mattes Licht ins Halbdunkel um die Frankenschanze zu bringen.

Baumschule 1960 
Skizze Mattes, Wilhelm: Funde und Beobachtungen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit.
In: Historischer Verein Heilbronn, Veröffentlichung 23.1960. Seite 27 

Auf der Skizze sind die Suchgräben mit I bis III eingezeichnet, Untersuchungen am Wall mit IV u. V

Ein Problem war, dass ab den 1950er eine Baumschule innerhalb der Frankenschanze angelegt war.
Bei der Bepflanzung wurde ordentlich umgegraben, aber niemand wollte etwas gefunden haben. Desweitern war der Wall teilweise als Gartenerde abgetragen worden.

Der ursprüngliche Weg im Südwesten zum Eingang war mit 14 cm starken Pfählen im Abstand von 90 cm begrenzt. Mattes vermutet dazwischen Flechtwerk.
Mattes ließ innerhalb der Frankenschanze drei Suchgräben ziehen um sich Klarheit zu verschaffen.
Auf dem Wall konnte er einen Flechtzaun nachweisen, der von 6 cm dicken Pfählen, die versetzt zweireihig im Abstand von 50 cm standen, gebildet wurde. An der Westseite fand er auffallend viele Sandsteine.
Mattes fand im Wall auch römische Scherben, welche er der in der Nähe stehenden römischen Hütte zuordnete.

Wenige gefundene mittelalterliche Scherben deuten für ihn darauf hin, dass die Frankenschanze nur wenig und kurz genutzt worden sein kann.

Funde 1952 
Christoph Morrissey und Dieter Müller auf Seite 51 

Mattes konnte die Verwendung von auffallend vielen Pfählen auf dem Hauptwall, dem Vorwall und an dem alten Zugangsweg nachweisen.
Mattes weist auch auf den alten Namen „Einsiedelgraben“ hin und könnte sich vorstellen, dass die wenigen mittelalterlichen Scherben von dem Einsiedler „eingetragen“ worden sind.
Er datierte die Entstehung der Frankenschanze ins frühe Mittelalter und vermutet einen Zusammenhang mit den Einfällen der östlichen Reitervölker.

(Quelle; Mattes, Wilhelm: Funde und Beobachtungen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Historischer Verein Heilbronn, Veröffentlichung 23.1960. Seite 26ff).
Der Artikel entstand 1952, wurde aber erst 1960 nach seinem Tode veröffentlicht

Gegen seine These spricht, dass die Lage der Frankenschanze für eine Verteidigung gegen die reitenden Bogenschützen nicht geeignet war. (Vgl. hierzu auch Kunze, 2001, S.36)
Diese Datierung der Frankenschanze ins Mittelalter setzte sich ab nun bei vielen weiteren Forschern durch.


Rainer Kunze brachte 2001 die Frankenschanze als eine frühe Holz- Erde-Adelsburg des 11. Jahrhunderts in die Diskussion ein. Eine Fluchtburg schließt er aus.

Kunze 2001 
Kunze.2001. Seite 50
Kunze stellt in seinen Skizzen die „Hauptangriffsseiten“ einer Burg immer links dar. 

Bei der „Frankenschanze“, üblicherweise als „Fluchtburg“ apostrophiert, handelt es sich eigentlich um einen großen querovalen Spornrundling (vgl. Lichtenberg), nicht um das, was man sich unter „Fluchtburg“ vorstellt; es könnte sich durchaus um eine Holz- / Erde-Burg des 11. Jahrhundert handeln. (Kunze. S. 36)

„Ganz spekulativ, aber analog zu Vergleichbarem an der Bergstraße uns im Odenwald könnte man dann folgende „Burgensequenz“ aufstellen: Salhof Schwaigern (heute Schloß) – Ringwall „Frankenschanze“ – Motte Neipperg – Spornrundling „Harchenburg“ – stauferzeitliche Burg Neipperg; ein Konstrukt, nützlich aber bei der zeitlichen Einordnung namenloser Burgstellen. (Kunze, S. 19)


2006

Atlas 
Atlas Archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg
Landesamt für Denkmalpflege
Christoph Morrissey und Dieter Müller: Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen
17 Wallanlagen im Stadt- und Landkreis Heilbronn
Theiss Verlag Stuttgart 2006 

 

Plan 2006 
Plan im Anhang 

In wesentlichen Punkten stimmt Dr. Morrissey den Ausführungen von Rainer Kunze zu.

„Merkmale der als vor- und frühgeschichtlich bezeichneten Wehranlagen sind fehlende schriftliche Erwähnung, in der Regel keine Steinbauten und keine weiteren Kennzeichen des Burgenbaues wie tiefe U-Gräben ohne Wall, darüber hinaus relativ große Innenflächen, keine dichte Innenbebauung und zumindest bislang auch keine hochmittelalterlichen Funde.

[…] Dennoch ist gerade nach neueren Überlegungen ein feudaler Burgenbau – auch für die anderen bearbeiteten Anlagen – nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen.

Insbesondere kommt hierfür das fortgeschrittene 11. und frühe 12. Jahrhundert in Frage, eine Zeit, in der vor dem Hintergrund des Investiturstreites lokaler Nieder- und Hochadel offensichtlich seine Herrschaft zu sichern und auszubauen suchte.

Denkbar sind Burgen-Sequenzen, wie sie Rainer Kunze zuletzt an einigen Beispielen aus dem Zabergäu vorgeschlagen hat.
Nicht fertig gestellte Anlagen sind ebenso möglich wie nur kurzfristig aufgesuchte Burgen mit einer vielleicht holzverstärkten Erdbefestigung aus Wall und Graben.“

Christoph Morrisey: Nomen est omen? Das Burgmal auf den Heilbronner Bergen
Sonderdruck aus: Christhard Schrenk Peter Wanner (Hg.) heilbronnica 2
Beiträge zur Stadtgeschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn 15 2003. Stadtarchiv Heilbronn.

Im Auftrag des Landesdenkmalamtes fasst Dr. Morrissey die bisherigen Ergebnisse zur Frankenschanze und Harchenburg zusammen. Eigene Erkundungen und neue „Einmessungen“ runden die Untersuchung ab.
Dr. Morrissey beschreibt, wie er sich die Frankenschanze vorstellen könnte.

Zeichn Rekonstruktion 
Christoph Morrissey und Dieter Müller: Seite 77 

2013 „Ludwig H. Hildebrandt und Nikolai Knauer glauben, dass hier, an der Grenze zum Zabergäu, die Burg des Gaugrafen vom Gartachgau stand, zu dem damals auch Orte im Zabergau gehörten (Hausen a.d.Z., Meimsheim, Botenheim, Cleebronn, Eibensbach, Pfaffenhofen). Im 10. Jahrhundert als Motte in Holzbauweise errichtet, hat diese keine bislang nachweisbaren Spuren hinterlassen. Eine vergleichbare, um 970 entstandene Anlage war die Motte Wigoldesberg bei Östringen im Ortsteil Eichelberg, der Sitz der Gaugrafen für den Elsenz- und den Kraichgau. [3,4]

[3] Rolf Würz: Neue Erkenntnisse am Heuchelberg. In: Heimatverein Kraichgau (Hrsg.) Kompass des Kraichgaus. Heft 1/2013 S. 7f.
[4] Ludwig H. Hildebrandt: Die Grafschaften des Elsenz- und Kraichgaus im hohen Mittelalter, ihre Grafen und deren Burgensitze mit spezieller Berücksichtigung von Bretten. In: Brettener Jahrbuch für Kultur und Geschichte. NF 5. Bretten 2008, S. 60–62. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenschanze


 

Luftbild 1983 
Christoph Morrissey und Dieter Müller auf Seite 36 

 



https://www.geoportal-bw.de/
Vor wenigen Jahren hat das Land Baden-Württemberg die Karten von Laserscanbefliegungen ins Netz gestellt.

 

Laserscanbefliegung 
https://www.geoportal-bw.de/                                                                                               Laserscanbefliegung
Laserscanbefliegung2 
Deutlich zu sehen: Graben und Vorwall – rechts im Bild die mittelalterlichen Hohlwege 

 

Bild1 2019 
Bild2 2019 
Bild3 2019 
Bild4 2019 

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